SCL Spieltagsreport „Im Fokus“ – B-Jugend schafft Qualifikation für Niederrheinliga

Fünfzehn Minuten banges warten nach 80 turbulenten Minuten, dann war klar: Die B-Junioren des SC Leichlingen haben historisches erreicht! Was nach viel Pathos klingt, ist aber nicht mehr als die Wahrheit: Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte des SC Leichlingen spielt eine Mannschaft auf höchster Verbandsebene. In der kommenden Saison misst man sich mit den Besten Teams des FVN. Aber drehen wir nochmal etwas zurück.

Am 01. Mai 2016 konnte sich das Team um Olaf Berns und Tobias Schäfer vorzeitig die Meisterschaft in der Kreisleistungsklasse Solingen sichern. Hiermit war klar, dass es wegen der in dieser altersklasse fehlenden Bergischen Liga direkt um die Möglichkeit ging, in der Niederrheinliga spielen zu dürfen. Nach der Mannschaftsfahrt zur Meisterschaft ging es dann in die Vorbereitungsphase zu den Qualispielen. Olaf Berns meinte hierzu: „Wir machen hier kleine Zwischeneinheiten ohne besondere Vorbereitung auf die einzelnen Spiele. Wir möchten, dass die Jungs Spaß dabei haben und bestenfalls den Schwung aus der Meisterschaft mitnehmen. Keine Pflichten, kein Druck, wir lassen es auf uns zukommen“. Nicht ganz so locker sahen es die Spieler. Bei den Trainingseinheiten auch sonntags konnte man volle Mannstärke zählen, die konzentriert und motiviert zu Werke gingen.

Dann kam der 12.06.2016, das erste Spiel der Qualifikation. Eine Reise nach Voerde zum TV. Ein erster Einblick auf die möglichen Fahrten an vielen Sonntagen in NRW. In einem etwas zerfahrenen Spiel gingen die Gastgeber nach gut einer halben Stunde durch Künne in Führung. Leichlingen war offenbar doch etwas überrascht von der Qualität, mit denen man es nun in den Spielen zu tun hat und man musste doch viel Guthaben beim Fußballgott aufbrauchen, um nicht noch weiter in Rückstand zu geraten. In der zweiten Hälfte kam man aber besser ins Spiel und Wende konnte nach 60 Minuten zum 1-1 Endstand ausgleichen. „Ein gutes Ergebnis, auf das man aufbauen kann“, sagte Tobias Schäfer zur Situation. In der Vierergruppe siegte der 1.FC Bocholt zeitgleich deutlich gegen SG Kaarst mit 5-1, sodass das kommende Heimspiel gegen eben diese Bocholter eine Vorentscheidung sein wird ob der weiteren Chancen zur direkten Qualifikation.

Das einzige Heimspiel der Qualifikation bestritt der SC Leichlingen dann am 19.06.2016 gegen den 1. FC Bocholt. Auch hier fand der SCL wahrlich schwer ins Spiel. Einige Unkonzentriertheiten ermöglichten es dann Krichel, schon in der 13. Minute für die Gäste zu treffen. Das zweite Spiel war ebenso wirsch geführt, dass es erneut einer guten Ansprache des Trainerteams in der Pause bedarf und diese hat den Kern getroffen. Zwei Auswechslungen sollten für mehr Stabilität und Schwung sorgen und die Coaches bewiesen ein gutes Händchen, denn Joker Peickert traf nur drei Minuten nach seiner Einwechslung zum mittlerweile verdienten Ausgleich (65.). Diese intensive Partie bot nun einige Höhepunkte, die insgesamt das bessere Ende für die Blütenstädter bereithielten. In der 76. Minute wurde Schneiders im gegnerischen Strafraum in die Zange genommen. Den fälligen Strafstoß brachte er selbst im Tor zur 2-1 Führung unter. Die letzten wütenden Angriffe der Bocholter, die in der letzten Minute auch noch einen Feldverweis hinnehmen mussten, konnte man abwehren und hatte nun nach dem parallelen 3-1 des TV Voerde gegen Kaarst einen spannenden Dreikampf am letzten Spieltag, den man durch das Torverhältnis gegenüber Voerde mit einem leichten Nachteil angehen musste.

Etwa 50 mitgereiste Leichlinger unterstützen die Truppe des SCL am 26.06.2016 bei der SG Kaarst. Rechenspiele hintendrangestellt galt es, möglichst hoch zu gewinnen, um sich bei einem Sieg vor Voerde zu schieben, die aber gegen die noch mit minimalen Chancen voll motivierten Bocholter spielen mussten. Nun voll konzentriert ließ man in Kaarst die Gastgeber nur wenig an den Ball und man konnte die Überlegenheit schnell durch Immel (8.) und Hariegel (21.) in eine 2-0 Führung ummünzen. Ein Fupa-Liveticker zeigte ein 0-0 zur Pause beim Spiel in Bocholt an, welches aber auch etwa 7 Minuten später angepfiffen wurde. Was nun folgte, war eine zweite Halbzeit auf zwei Plätzen, die für die Qualifikation entscheidend war, von denen aber jeweils auf dem anderen Platz nicht viel mitbekommen wurde und daher in der Nachberichterstattung erst die Dramatik klar werden lässt. Wir starten in Kaarst: Der SC Leichlingen verpasst zwei deutliche Chancen, freistehend auf den Torhüter zum 3 und/oder 4-0 zu erhöhen und damit Voerde aus der Ferne unter Druck zu setzen. Kurz nach der Pause aber erreichte über den Liveticker die Zuschauer die Information, dass es nun 1-0 für den FC Bocholt steht, was dann nach aktuellem Stand den SC Leichlingen als Tabellenführer in die Niederrheinliga aufstiegen ließe. Zu dieser Zeit gab es für Bocholt auch noch die berechtigte Hoffnung auf einen Ausgleich der Kaarster, denn bei einer Niederlage der Leichlinger würde Bocholt aufsteigen. Der SCL war in der Verteidigung teilweise vogelwild, es gab 5(!) Großchancen für die Kaarster bis zum Ende des Spiels. Aber auch die blauen hatten noch genügend Möglichkeiten, die beste davon Schneiders, der frei vorm Tor stehend an Torwart und Pfosten vorbeilegte. Hier war der Endstand dann 0-2, es hätte aber auch 6-8 für den SCL ausgehen können. Eine echte Bewerbung für die Niederrheinliga war dies teilweise nicht, aber man hat nun mit 7 Punkten auf dem Konto weitaus mehr erreicht, als man sich vorgenommen oder erwünscht hat. Es war klar: Man hat eine perfekte Saison nochmals grandios abgeschlossen! Der Liveticker steht noch bei 1-0, etwa 15 Minuten nach dem Abpfiff in Kaarst gab es dann die frohe Kunde: Bocholt hat gewonnen, man spielt in der Niederrheinliga! Nach der Anspannung und dem Warten gab es eher verhaltene Jubelarien, einige wenige Bierduschen und mit viel Applaus ging es in die Kabine. Was von den Spielern keiner wusste: Das Endergebnis war nicht 1-0 für Bocholt, über gute Kontakte kam die Nachricht: Endergebnis 2-1. Aber für wen? Nach fünf Minuten sprang der Liveticker auf 2-1 für Bocholt. Erleichterung, aber das DFBnet gab noch kein offizielles Ergebnis aus. Erst am Abend wurde das Ausmaß der Dramatik klar: Man hat es nur ganz eng und dem nicht aufgegebenen Kampf der Bocholter verdankt, in der Niederrheinliga zu spielen! Nach einem Feldverweis der Bocholter konnte Voerde ausgleichen. Ein Tor zum Sieg gegen den FC und Voerde ist erster. Vermutlich in einer Drangphase kam dann Sieverdingbeck zur erneuten Führung der Gastgeber in der 77. und auch ein weiterer Mann Überzahl in den letzten Minuten brachte Voerde nicht den erhofften Vorteil, man konnte nicht mal mehr ausgleichen. Die Bocholter schafften es so in ein Qualifikationsspiel gegen SF Hamborn und wahrten sich die Chance auf die weitere Teilnahme in der Niederrheinliga.

Somit gehen alle Gratulationen in Richtung der Wupperstädter, die sich in allen drei Spielen aufgeopfert haben und eine beispiellose Spielzeit abgeliefert haben. „Wir sind so stolz, wir könnten glatt nochmal eine Mannschaftstour nach Holland machen“ sagte Tobi Schäfer. Olaf Berns bedankt sich bei den Spielern, die immer und überall zusammengehalten haben, bei den Eltern für den Einsatz und auch eben an diese gelte im Voraus schon der absolute Dank für die jetzt bevorstehende Arbeit, gerade was die Auswärtsspiele im gesamten Niederrheingebiet angeht. Man darf sich nun auf Matches gegen echte Traditionsvereine freuen, denn in der Niederrheinliga sind aktuell keine geringeren Vereine als Fortuna Düsseldorf, FC Mönchengladbach, MSV Duisburg, Rot Weiß Essen, Wuppertaler SV, Bayer Uerdingen, SW Essen und als Mitaufsteiger BV Düsseldorf, Arminia Klosterhardt, SC Kapellen-Erft, die SG Unterrath und weitere noch in der Relegation befindliche Teams.

Wenn es noch Interessierte Spieler gibt, die sich mit diesen Mannschaften messen möchten, können sich gerne beim Trainerteam oder bei der Jugendleiterin Stefanie Weide melden, die Vorbereitung wird dann nach einer kurzen Sommerpause gestartet, um in der kommenden Saison dann möglicherweise direkt auf Anhieb den Klassenerhalt zu schaffen. Dieser wird aber besonders schwer, da in der Regel die zweistelligen Tabellenplätze wieder in die Qualifikation/Relegation (bzw. direkt zurück in die Leistungsklasse) müssen, was dann aus den diesjährigen Erfahrungen ganz sicher kein Selbstläufer wäre.